Auf das nächste Level

Zumindest über die Farbe muss sich Timo Rapp wenig Gedanken machen. Die ist beim Reinigungsspezialisten Kärcher mit dem charakteristischem Gelb gesetzt. Doch es bleiben genügend andere Fragen, mit denen sich der Produktmanager bei seiner Arbeit auseinandersetzt. Welche Zielgruppen sind relevant? Was sind die spezifischen Kundenbedürfnisse und wie können diese konkret in Produkten umgesetzt werden? Seit inzwischen 2013 arbeitet Timo Rapp im Produktmanagement bei Kärcher und verantwortet Projekte im Bereich Reinigungsroboter für Privatkunden. Als wichtige Schnittstelle zwischen Entwicklung und Marketing erstellt er dafür die Produktkonzepte und treibt Umsetzung wie Markteinführung mit den anderen Abteilungen voran.

So vielfältig die Kundenwünsche, so vielfältig ist auch die Produktpalette bei Kärcher. Das wird im Experience Center, dem neuen Kunden- und Besucherzentrum am Stammsitz in Winnenden deutlich. Auf modernen 900 Quadratmetern mit Industriecharakter präsentiert Kärcher seine Unternehmensgeschichte und Produkte zum Anfassen. Vorbei an interaktiven Erlebnisstationen reihen sich am Ende der riesigen Halle die Produkte aus dem professionellen wie privaten Bereich aneinander: Kehrmaschinen mit Aufsitz, Hochdruckreiniger, Staubsauger und Mehrzwecksauger. Von der Betonwand prangt in großen beleuchteten Buchstaben das Markenversprechen: Kärcher makes a difference. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind ständige Weiterentwicklungen und Neuerfindungen unabdingbar. Hier ist Timo Rapp gefragt. »Innovation ist ein Thema, das mich stark antreibt«, erzählt er.  

Neue Perspektiven

Aus diesem Grund hat der 26-Jährige beschlossen, sein duales Studium in BWL-Industrie an der DHBW in Stuttgart um einen Master zu ergänzen. Auf der Suche nach dem passenden Angebot ist er auf den M.Sc. in Management mit dem Schwerpunkt Innovations- und Technologiemanagement an der GGS gestoßen – ein Volltreffer. Der Master of Science verbindet all das, worauf Rapp Wert legt:  Praxisnähe mit wissenschaftlichem Anspruch und die Möglichkeit, berufsbegleitend zu studieren. »Meine Arbeit macht mir zu viel Spaß, als dass ich darauf verzichten wollte.« Das Wochenendformat sei da die ideale Lösung.

Seit Oktober vergangenen Jahres studiert Rapp nun an der Business School in Heilbronn. Mit dem Master möchte er seine Arbeit »auf das nächste Level bringen können«. Neue Konzepte, Tools und Methoden verspricht er sich, die er aus der Vorlesung in den Berufsalltag übertragen kann. Aktuell arbeitet der 26-Jährige  an drei Projekten, neue Impulse sind jederzeit willkommen. Darüber hinaus reizt ihn die wissenschaftliche Ausprägung des Master of Science. »Nachdem mein Bachelorstudium mehr Wissensvermittlung war, freue ich mich darauf, selbst wissenschaftlich arbeiten zu können«, erklärt der Waiblinger.  Erkenntnisse aus der Wissenschaft – vielleicht sogar seiner eigenen – sollen ihm neue Perspektiven eröffnen und ermöglichen, berufliche Entscheidungen auf ein breiteres Fundament zu stellen.

Politisches Engagement

Neben Gelb spielt noch eine andere Farbe eine wichtige Rolle in Timo Rapps Leben: Seit einigen Jahren engagiert er sich für Bündnis 90/Die Grünen. »Politik ist mein Hobby«, sagt er. Sogar ein bisschen mehr als das, schließlich bekleidet Rapp ein Mandat in der Regionalversammlung Stuttgart. Für einen BWLer sei die Wahl seiner Partei nicht typisch, sagt Rapp mit einem Augenzwinkern. Doch spätestens als er sich 2009 zur Bundestagswahl mit den Programmen der Parteien auseinandersetzte, hätten ihn die Grünen am meisten überzeugt. Seitdem engagiert er sich in der Partei, denn Bürgerbeteiligung hört für ihn nicht beim Gang zur Urne auf. Ein besonderes Anliegen sind ihm die Lösungen verkehrspolitischer Fragen, etwa der Ausbau des Nahverkehrs. Auch da spielen innovative Ansätze sowie neue Geschäftsmodelle und Technologien eine wichtige Rolle. So wird ihm das Studium an der GGS auch in dieser Hinsicht bestimmt die eine oder andere Anregung mit an die Hand geben können.

Um den Dreiklang aus Job, Studium und Politik unter einen Hut zu bringen, hat Timo Rapp seine Arbeitszeit bei Kärcher reduziert. Eine überlegte Entscheidung, die ganz seiner Art entspricht. »Dadurch konnte ich mir den notwendigen Freiraum schaffen.« Passt neben Produkteinführungen, Klausuren sowie Hausarbeiten tatsächlich noch Urlaub dazwischen, nimmt sich Timo Rapp auch dafür gerne den notwendigen Freiraum raus: Dann geht er nämlich mit seinem 34 Jahre alten Wohnmobil, ein historisches Fahrzeug mit H-Kennzeichen, auf Tour und entdeckt Länder gerne abseits der klassischen Touristenpfade. In diesem Fall allerdings in gedeckten Farben, das Wohnmobil trägt ein schon altersschwaches Weiß.