»Wie die Faust aufs Auge«

Wenn nicht er ein Gesicht der GGS ist – wer dann? Michael Hartmann hat an der GGS den MSc in Leeds gemacht und anschließend noch den LL.M. in Business Law studiert. Jetzt ist er Doktorand am gemeinsamen Graduiertenkolleg der GGS mit der Europa-Universität Viadriana in Frankfurt (Oder).

Die Geschichte von Michael Hartmann an der GGS beginnt 2007. Damals heißt sie noch heilbronn business school (hbs) und hat ihre Räume im Neckarturm, der Bildungscampus besteht wenn überhaupt nur auf dem Papier. Hartmann ist im ersten Jahrgang des MSc in Management, den die GGS gemeinsam mit der Leeds University anbietet. Als »hammerhart« ist ihm das erste Wochenende noch gut in Erinnerung, an dem es gleich richtig zur Sache geht. Der akademische Direktor Stephen King und seine Kollegen aus England fordern viel von den Studierenden. »Die haben ordentlich die Säbeln rasseln lassen«, sagt Hartmann und lacht.

Die ersten Tage an der GGS sind ein Vorgeschmack auf die folgenden zwei Jahre, in denen Michael Hartmann zwischen Heilbronn und seinem Heimatort Fulda pendelt, wo er als Key Account Manager für einen Automobilzulieferer arbeitet. Eine intensive Zeit, doch er habe sich immer auf die Hochschule gefreut. »Ich habe mich wie in einer anderen Welt gefühlt.« An Wochenenden mit Vorlesung macht er bewusst Freitagmittag einen Cut. Seine Kollegen und Kunden hätten immer Bescheid gewusst, wenn er an der GGS gewesen sei, erzählt er, »und haben mich dann auch nicht angerufen«. So kann er sich voll auf das Studium konzentrieren.

»Das kann es nicht gewesen sein«

Auf die GGS aufmerksam geworden war Hartmann durch einen Aushang an der Berufsakademie in Mosbach. Dort machte er 2005 seinen Abschluss zum Diplom-Betriebswirt. Schon da hat er den Wunsch sich weiterzubilden. »Ich habe gedacht, das kann es noch nicht gewesen sein.« Zunächst nimmt er seinen Job als Key Account Manager auf, betreut unter anderem den Schlüsselkunden Daimler. Nach zwei Jahren ist er bereit für den nächsten Schritt. Bereits da zieht er eine Promotion in Erwägung, doch es fehlt das letzte Quäntchen Entschlossenheit es ernsthaft zu versuchen. Vorerst. Stattdessen entscheidet er sich für das MSc-Studium an der GGS.

Der Master zahlt sich beruflich aus. Nach seinem Abschluss wechselt der gebürtige Hesse den Arbeitgeber und steigt auf der Karriereleiter auf. Von nun an trägt Hartmann als Divisional Manager Personalverantwortung für mehr als 80 Mitarbeiter – und wird dabei regelmäßig mit rechtlichen Fragen konfrontiert. Das gibt den Ausschlag für ein weiteres Studium: den LL.M. in Business Law. Wieder in Heilbronn. Wieder an der GGS. Erneut mutet sich der heute 33-Jährige die Doppelbelastung zu, fährt regelmäßig die 200 Kilometer zwischen Fulda und Heilbronn.

Dieter-Bohlen-Gedächtnis-Keyboard zum Umhängen

Ausgleich von Job und Studium findet der leidenschaftliche Klavierspieler in der Musik. Ist er an den Wochenenden nicht mit Vorlesung und Assignments beschäftigt, haut er in der 20-köpfigen Big-Band »Vorsicht, Gebläse« in die Tasten. Mit seinen Bandkollegen spielt er auf Betriebsfeiern, Partys und Stadtfesten. »Ich brauche die Musik einfach.« Hartmann schmunzelt: Damit er immer spielen kann, habe er sich extra ein transportables Dieter-Bohlen-Gedächtnis-Keyboard zum Umhängen gekauft.

Aber auch die Musik kann nicht verhindern, dass Hartmann ins Grübeln kommt. Er steckt mitten in seiner zweiten Master-Thesis, als ihn mit Anfang 30 eine Sinnkrise überkommt. Ist der Job im Vertrieb wirklich das, was er will – für immer? Nein, kommt er zum Schluss. Aber was dann? »Ich habe mir die Frage gestellt, was ich mit einem Millionengewinn machen würde«, erklärt er. Immer und immer wieder, und die Antwort ist stets die gleiche: an einer Universität einschreiben und promovieren. Als ihm das bewusst wird, beginnt Hartmann sich zu informieren, schaut sich nach Vollzeitstellen für Doktoranden um. Vielleicht ist ja gar kein Lottogewinn nötig! Da er nie an einer Universität studiert hat, sieht er für sich dort keine Chance. Er sucht das Gespräch mit Dozenten und Professoren.  Dann erzählt ihm der Academic Dean der GGS, Tomás Bayón, vom Doktorandenkolleg der GGS mit der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder). Das noch junge Programm – seit 2011 fördert die Dieter Schwarz Stiftung das Graduiertenkolleg – bietet Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, über drei Jahre hinweg auf höchstem Niveau zu forschen. Hartmann: »Das hat gepasst wie die Faust aufs Auge.« Er bewirbt sich – mit Erfolg.

Seit 2014 promoviert Hartmann im Graduiertenkolleg, in seiner Doktorarbeit untersucht er soziale Beziehungen im Unternehmen. Neben der Promotion unterrichtet er als Gastdozent an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft, eine Tätigkeit, die ihm viel Spaß macht und die er sich für später vorstellen kann. »Wissen zusammentragen, strukturieren und verständlich vermitteln, das ist mein Ding.« Er klingt sehr sicher.  

Auch einen ersten wissenschaftlichen Erfolg hat er zu vermelden: Gemeinsam mit Prof. Markus Vodosek ist er bei der Strategic Management Society Konferenz für den Best Paper Award nominiert. Im Oktober werden die beiden Autoren nach Denver reisen und das Papier »Dynamic Managerial Capabilities and Relationships: The Role of Social Relations in Strategic Change« präsentieren. Die Nominierung  ist für Michael Hartmann eine Bestätigung, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat, und sie zeigt, dass seine Geschichte an der GGS jetzt erst richtig begonnen hat.