Über den Tellerrand hinaus

Wer einen Traum hat, der kann was bewegen. Und den hat Jennifer Pfitzer. Sie möchte einmal in Ihrem Leben eine Weltreise machen und in den kanadischen Rocky Mountains Skifahren. Klingt so selbstverständlich. Aber das ist es nicht. Noch vor zehn Jahren hätte sich die heute 26-Jährige nie träumen lassen, wo sie einmal stehen würde.

In einem Gespräch in der Lounge der GGS in Heilbronn erzählt Jennifer Pfitzer ihre Geschichte. Sie hat etwas von einer Heldenreise, wie sie nach der Realschule eine kaufmännische Ausbildung begann. Parallel dazu holte sie in der Abendschule ihre Fachhochschulreife nach und studierte anschließend Steuerrecht an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Nachdem sie ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche hatte, war der Wissenshunger noch immer nicht gestillt. Pfitzer wollte mehr sehen, einfach über den Tellerrand hinausblicken und ihre Kenntnisse gerade in den unterschiedlichen Rechtswissenschaften erweitern. Sie setzte den Masterabschluss LL. M. in Business Law an der GGS obendrauf.

Ein Lächeln huscht der Master-Absolventin über die Lippen, als ihr bewusst wird, was heute Abend ansteht. Sie feiert ihre Graduierung. Ihre Augen funkeln, als sie die vergangenen zwei Jahre Revue passieren lässt: »Ich habe so viel gelernt und bin so tollen Menschen begegnet.« Sei es während der Studienreise in Russland oder auf dem Campus. Dabei kommt der Spaß nie zu kurz. Die Vorlesung für Bürgerliches Recht war eine ihrer Liebsten. Prof. Dr. Peter Pougin bringt die Cases auf den Punkt und vermittelt Wissen auf erfrischende Weise. „Er weiß, wie man Menschen motiviert“, sagt sie begeistert.

Und diese Motivation braucht es auch, um 24 Monate lang eine solch überdurchschnittliche Leistung zu erbringen. Die junge Betriebsprüferin nickt. »Es war schon eine hohe Doppelbelastung«, erzählt sie und meint ihren Job als Beamtin im gehobenen Dienst der Steuerverwaltung beim Öhringer Finanzamt einerseits. Und das berufsbegleitende Studium freitags bis sonntags andererseits. Ohne Engagement und Disziplin gehe es nicht. Jetzt sitzt sie entspannt auf dem schwarzen Lederwippstuhl. Die Beine nebeneinander, die Arme locker auf der Armlehne ruhend und erzählt weiter: Während andere ihr freies Wochenende genossen haben, saß sie zusammen mit 25 anderen Kursteilnehmern in der Vorlesung und hat Business Cases durchgespielt. Trotzdem ist sie wehmütig. »Es war eine Wahnsinnszeit.«

Bei so viel Kopfarbeit sollte der Ausgleich nicht fehlen. »Ich bin sehr heimatverbunden«, so Pfitzer, die seit acht Jahren Teil des Handball-Teams HSG Hohenlohe ist und zwei bis drei Mal die Woche mit ihren Freunden trainiert. »Die Bewegung macht den Kopf frei«, sagt die Absolventin, die auch beim Stimme Firmenlauf 2016 und 2015 im GGS-Team angetreten ist.

Ob sie sich während des Studiums verändert habe? »Oh ja«, sagt sie mit großen Augen. Ihre weichen Locken fallen ihr ins Gesicht. »Am Anfang meiner Ausbildung war ich eher schüchtern; eigene Ansichten habe ich zurückhaltend vertreten.« Kaum vorstellbar, wenn man die junge Frau heute ansieht. Souverän sitzt sie in hellem Shirt und elegantem Rock gegenüber. Mit den Ergebnissen ihres Studiums sei sie auch ganz zufrieden, sagt sie dankbar, ohne auch nur im Ansatz zu erwähnen, dass sie sogar Jahrgangsbeste ist. Doch um Noten allein gehe es nicht. Für sie ist es die Entwicklung auf allen drei Säulen: Beruf, Privatleben und Studium. Das Studium habe ihre Persönlichkeit wachsen lassen, sie stärker, wissender und ausdauernder gemacht. Ihre Fähigkeiten weiterentwickelt, die sich in allen Lebensbereichen widerspiegeln. »Ideen zu haben, sich auszuprobieren und überhaupt zu lernen, auch groß zu denken.« Denn die Erfahrungen, die man dabei gewinnt, sind ein unermesslicher Schatz für alles Weitere, was im Leben noch kommt.