Jan Brunner

Studieren zwischen den USA und Heilbronn

Nach dem Abitur studierte Jan Brunner Wirtschaftsingenieurwesen an der Berufsakademie Stuttgart. Zeitgleich begann er, beim Werkzeugbauer Marbach zu arbeiten. Von der Lehrwerkstatt arbeitete er sich über verschiedene Abteilungen in den internationalen Vertrieb hoch - parallel zum Studium an der GGS. Mit 28 ist der gebürtige Möckmühler nun mitverantwortlich für den Aufbau eines Werks in Charlotte (North Carolina, USA). Fragen über ein Studium zwischen den USA und Heilbronn, Freizeit und Karriere.

GGS: Sie haben 2013 den Preis des Alumni-Vereins für die beste Master´s Thesis und den Preis der GGS als bester MBA-Student bekommen - wie fühlt sich das an?
Jan Brunner: «Das fühlt sich toll an! Das Studium war ja schon anspruchsvoll und mit sehr viel Arbeit verbunden. Wenn man dann am Schluss so eine Auszeichnung bekommt ist das super. Ich war auch total überrascht. Man erfährt ja eigentlich nie, wo man genau steht im Vergleich zu den anderen.»

Worum ging es in Ihrer Master´s Thesis genau?
«Ich habe mich mit dem Thema weltweite Expansion in Form von ausländischen Produktionsstandorten beschäftigt. Wir sind ja immer sehr stolz auf unseren Titel Exportweltmeister. Gerade im Heilbronner Raum gibt es viele mittelständische Unternehmen, die ihre Produkte weltweit exportieren. In meiner Arbeit zeige ich eine Alternative auf: internationale Produktionsstandorte, die für den lokalen Markt produzieren. Durch die lokale Produktion im Zielland kann das Unternehmen einige Vorteile realisieren und wird dadurch wettbewerbsfähiger im Vergleich zur lokalen Konkurrenz.

Und wie sind Sie vorgegangen?
«Ich wende die dahinter stehende Theorien auf einen Case an, bei dem ich selbst mitten drin war und noch bin: Die Gründung von Marbach America Inc. und der damit verbundene Eintritt der Marbach Gruppe in den US-amerikanischen Markt. Das ist wohl auch die Besonderheit an meiner Arbeit. Man hat ja nicht oft die Gelegenheit bei solch einem Markteintritt in verantwortlicher Position mitzuarbeiten. Ich hatte eine gute Datenbasis aus dem eigenen Unternehmen und Marktinformationen aus erster Hand, zum Beispiel durch Interviews mit amerikanischen Kunden. Somit konnte ich sowohl qualitativ als auch quantitativ argumentieren.»

Das heißt, Sie und ihr Unternehmen haben ganz praktisch von der Master´s Thesis profitiert?
«Man könnte sagen, meine Thesis liefert die Theorie hinterher, zu einer Entscheidung, die wir 2011 getroffen haben, den Aufbau der Niederlassung in den USA. Wir haben zuvor natürlich auch unsere Hausaufgaben gemacht, in Form von Marktanalysen und so weiter. Wenn man dann aber die Zusammenhänge zwischen lokaler Produktion und Umsatzwachstum genauer untersucht, bekommt man schon ein differenzierteres Bild. Der wichtigste Nutzen dieser wissenschaftlichen Aufbereitung für das Unternehmen liegt daran, dass wir die Erkenntnisse für zukünftige Expansionen nutzen können und somit hoffentlich noch weitere Märkte erschließen können.»

Jan Brunner im amerikanischen Marbach-Werk...
...und bei der Graduierung an der GGS.

 

Warum haben Sie sich für ein Studium an der GGS entschieden?
«Ich komme ja aus der Heilbronner Gegend, also war mir die GGS beziehungweise zuvor die Heilbronn Business School schon immer ein Begriff. Als ich dann 2010 nach Heilbronn in die City umgezogen bin, waren es für mich keine fünf Minuten zu Fuß vom Neckarturm. Zum gleichen Zeitpunkt hatte ich die geforderten drei Jahre Berufserfahrung und war auch von meinem Job her bereit, mich weiter zu entwickeln.»

Und warum ist es der MBA geworden?
«Seit Abschluss des ersten Studiums hatte ich viel mit amerikanischen Kunden und Geschäftspartnern zu tun. Viele davon, gerade im Senior Management, haben eben MBA Abschlüsse. Das hat mein Interesse geweckt. Die breite Ausrichtung des MBA's gefällt mir sehr gut.»

Wie ist Ihnen während der Studienzeit der Spagat zwischen berufsbegleitendem Studium und Beruf gelungen?
«Während der Woche bleibt natürlich wenig Zeit, um was fürs Studium zu machen. Also gehen die vorlesungsfreien Wochenenden drauf für Assignments, Reading, und so weiter. Freizeit bleibt da nicht mehr viel. Das ist eigentlich kein schönes Leben, aber für eine überschaubare Zeit machbar und auch lohnenswert. Für das letzte Drittel des Studiums bin ich für die Vorlesungen aus den USA eingeflogen. Donnerstag abends in Charlotte in den Flieger, am nächsten Morgen in Frankfurt angekommen. Dann schnell nach Heilbronn fahren zum Vorlesungsbeginn um 15:30 Uhr. Das Wochenende über studieren, dann noch kurz in der Firmenzentrale vorbei schauen, und wieder zurück. Alle zwei bis drei Wochen. Damals als Projektleiter und nun als Führungskraft vor Ort - das ist schon ein ordentlicher Aufstieg. Auch vom Arbeitspensum her. Ohne Rückhalt im Berufs- und Privatleben geht das Ganze nicht.»

Aber sie sagen heute trotzdem, dass es sich gelohnt hat?
«Aus persönlicher Sicht ist es doch immer wieder erstaunlich, was man so alles leisten kann. Gleichzeitig zeigt einem das Studium auch wo die eigenen Grenzen sind. Beruflich hat es mir sehr viel gebracht. Ich bin parallel zum Studium in die Aufgabe des Projektleiters für die Firmengründung in den USA hineingewachsen. Dadurch hatte ich mit Themen zu tun, in die ich vorher nicht viel Einblick hatte. Das breit gefächerte Studium und vor allem auch die Leadership Themen haben mir sehr geholfen. Die meisten Inhalte des Studiums hatte ich kurz vor oder nach den jeweiligen Modulen im Beruf erlebt. Besser hätte man die Verzahnung von Theorie und Praxis gar nicht planen können.»

Setzen Sie Ihr Managementwissen auch heute noch in der täglichen Arbeit ein?
«Leider habe ich nur selten die Zeit wirklich bewusst einige Methoden anzuwenden oder bestimmte Situation anhand eines Modells zu durchdenken. Ich glaube aber, dass im unbewussten Handeln viel vom MBA einfließt. Ich hatte ja vorher kaum Erfahrung im Management.«

Wie geht es für Sie jetzt weiter?
«Der Aufbau des Betriebs in Charlotte wird noch eine Weile dauern. Mein Zeithorizont für die Rückkehr nach Deutschland ist momentan Ende 2015. Was danach passiert, darüber denke ich aus heutiger Sicht noch nicht nach. Bis dahin gibt es noch sehr viel zu tun. Wenn es weiterhin so gut läuft, wird man für mich in Deutschland bestimmt eine Aufgabe finden.»