Irene Högele

Ein Leben im Shoppingcenter

Shoppingcenter vermieten – das klingt erstmal recht einfach. Tatsächlich gibt es in Deutschland aber gerade mal um die 50 Menschen, die das machen können. Irene Högele ist eine davon. Sie gehört zum ersten Jahrgang der GGS, damals noch heilbronn business school, und ist sechs Jahre nach dem Master-Abschluss sicher:  »Ich habe den spannendsten Job, den es gibt.«

Denn was so einfach klingt, verlangt in Wirklichkeit vor allem Organisations- und Verhandlungsgeschick. »Wir fangen an, wenn sich ein Investor für einen Standort entschieden hat«, erklärt Irene Högele das Angebot von COMFORT Center Consulting. Über die gesamte Entstehungsphase eines Centerbaus ist sie die Schnittstelle zwischen Vermieter, Investoren, Gastronomen, Mietern, Bauteams und Verkehrsplanern. Sie spricht Mieter an, die die Geschäftsräume beziehen könnten – von Fielmann bis Nordsee.

Irene Högele kennt die durchschnittlichen Umsätze der Filialen aller Branchenriesen und Nischenunternehmen, die Wünsche der Investoren, die Ergebnisse der Standortuntersuchungen und die neusten Trends in der Handelsbranche. Zum Beispiel brachte sie im 56.000 Quadratmeter großen Loop5 in Weiterstadt bei Darmstadt auf 78 Quadratmetern einen der ersten Frozen Yoghurt-Shops Deutschlands unter. »Ich habe mich das damals getraut  und es funktioniert«, ist Irene Högele stolz.

Ziel sei es, bei jedem Projekt den »geeigneten Branchenmix« zu erreichen.  Vom Schlüsseldienst über den trendigen Bubble-Tea-Laden bis zur Edel-Boutique – Irene Högele verhandelt mit Mietern jeder Branche, kann Wände versetzen, die Center selbst mitgestalten. »Das ist eine Freiheit, die ich sehr genieße«, so die Düsseldorferin.

Dass sie diese heute hat, verdankt sie auch dem Studium an der GGS. Als Absolventin des ersten GGS-Jahrgangs erwarb sie 2006 einen Master of Science von der University of Glamorgan. Die britische Universität war damals noch Partner der GGS. Nach ihrem Bachelor-Studium an der dualen Hochschule Mosbach in Betriebswirtschaft hatte sie sich für den englischsprachigen Master entschieden. »Ich habe es mir selbst bewiesen und die Herausforderung auf Englisch gemeistert«, sagt sie heute. Damals arbeitete sie noch beim Branchenriesen ECE Projektmanagement, war eine von vielen Angestellten. Dort sah sie allerdings keine Weiterentwicklungschancen. Ihr Ziel: »Ich wollte aufsteigen, eine Führungsposition haben.«

Nach dem Master und einer viermonatigen Auszeit in Australien kam Irene Högele dann über Headhunter zu immer kleineren Unternehmen, bekam so einen immer größeren Verantwortungsbereich. »Der Master hat mir die Türen geöffnet«, ist sie sicher. Bei ihrem heutigen Arbeitgeber ist sie eine von sieben Mitarbeitern. Sie betreut meist drei Center-Projekte im deutschsprachigen Raum zeitgleich. Bald wird Irene Högele ihr Ziel erreichen: Im kommenden Jahr soll sie den Bereich Vermietung als Führungskraft übernehmen. (ag)