Retro in die Zukunft

Auf dem Schreibtisch von Fabian Huber stehen mehrere leere braune Bierflaschen aus Glas im Retrolook mit einem Bügelverschluss. Die Flaschen sind das einzige in seinem Büro, das man mit seiner Tätigkeit in Verbindung bringen kann. Ansonsten ist der Raum schlicht eingerichtet und ähnelt gar nicht so den Vorstellungen, die der ein oder andere normalerweise von einem Marketingfachmann hat: Huber ist Leiter des Wulle-Teams bei der in Stuttgart ansässigen Familienbrauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG.

»Ich arbeite in einer konservativen Branche«, sagt der Bierfachmann. Die Marke Wulle hebt sich da durch ihr freches Image ab. 2008 ist das Bier von der Brauerei wiederbelebt worden und wird seitdem in Flaschen mit der beliebten Retro-Optik abgefüllt. Selbst der rote »Wir wollen Wulle«-Bulli ist inzwischen wieder zu Werbezwecken im Einsatz. Schon zu seiner Studienzeit hatte Huber zu seinem heutigen Arbeitgeber Kontakt, weil er Partys mit organisierte und damit gleichzeitig für die von ihm heute betreute Marke Werbung machte, in dem er kostenloses Bier zur Verfügung stellte. Ganz frei nach der Devise: Welcher Student hinterfragt schon vom Gastgeber angebotenes Freibier? Auch heute setzt der 33-Jährige bei seiner Werbestrategie ganz auf das Empfehlungsmarketing.

Auf den ersten Blick ist es nicht ungewöhnlich, dass der in Stuttgart geborene Schwabe für das Marketing und den Vertrieb der Biermarke Wulle zuständig ist. Aber blickt man auf seinen beruflichen Werdegang, so wird deutlich: Huber ist von Haus aus eigentlich gar kein ausgebildeter Spezialist auf diesem Gebiet, sondern Volljurist. Um seinen Job noch besser machen zu können, hat er sich für einen MBA-Studiengang  an der German Graduate School of Management & Law in Heilbronn entschieden.

Persönliche Betreuung ist wichtig

»Ich habe den betriebswirtschaftlichen Unterbau nie gelernt. Da fehlt mir das theoretische Wissen«, sagt der Vater eines kleinen Kindes, der die zweijährige Ausbildung neben der normalen Arbeit absolviert und über die er sagt: »Das ist meine bislang anstrengendste Zeit.« Seine Wahl für den englischsprachigen MBA fiel auf die GGS, weil sie sich von Anfang an »freundlich um einen bemüht« habe – ohne Zeitdruck. Die anspruchsvolle Ausbildung erfordert viel Engagement und Disziplin. Denn ein Großteil der Vorlesungen wird in Heilbronn absolviert, hinzukommen vier Studienwochen. »Die Dozenten wissen, was wir machen und sie binden deshalb auch den Hintergrund der Studenten mit in ihre Lehrtätigkeit mit ein.«

Eins ist Huber aufgefallen: Immer, wenn er etwas Neues lernt, versucht er es mit seiner Tätigkeit in Verbindung zu bringen. Als ein Beispiel nennt der 33-Jährige das Thema Corporate Finance. Das macht neugierig. »Danach habe ich mir im Bundesanzeiger Bilanzen angeschaut. Da hat man nun einen ganz anderen Blick dafür.« Arbeit, Familie und dann den MBA-Lehrgang unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach. Doch organisieren und planen hat er schon während seines Studentenjobs immer schon müssen. Deshalb schafft er wohl nun diese Doppelbelastung auch mit einer gewissen Leichtigkeit, die er im Gespräch vermittelt, wenn er sich mit einem unterhält.

Den größten Teil seines Jurastudiums absolvierte er in Tübingen. Studium und Nebenjob beanspruchten ihn sicherlich stark. Doch Huber fand immer wieder etwas Zeit, um noch ganz neue Erfahrungen zu sammeln. So machte er auch noch den Omnibus-Führerschein und hat dann auch für die Verkehrsbetriebe in Hechingen Passagiere befördert. Nach dem ersten Staatsexamen 2012 folgte dann das Referendariat in Ellwangen. Zwei Jahre später machte er dann das zweite Staatsexamen. Sein einstiger Nebenjob hat ihn wohl nachhaltig geprägt. Denn nur so ist erklärbar, dass er nicht im Staatsdienst oder bei einer Anwaltskanzlei landete, sondern im Marketing des Wulle-Teams.

Der Rechtswissenschaft noch verbunden

Das besteht aus insgesamt sieben Personen, die alle einen unterschiedlichen beruflichen Hintergrund haben. Da gibt es unter anderem einen Maschinenbauer, eine Textilwirtschaftlerin oder auch Kommunikationsdesigner. Sie gehen bei der Vermarktung der Biermarke nicht die klassischen Wege: „Bei uns gibt es keine Plakate, Print- oder Fernsehwerbung.“ Es wird viel auf die Platzierung des Produkts gesetzt. Es geht um Emotionen. »Da geht es nicht um das Fußballturnier mit 10 000 Besuchern, sondern um das Frisbee-Turnier, das 15 Studenten besuchen.«

Neben seiner Arbeit und der Ausbildung an der GGS muss Huber gerade bei dem einen oder anderem Hobby kürzer treten. Für das gemeinsame Reisen hat die junge Familie gerade fast keine Zeit. Sehr zum Bedauern des 33-Jährigen, der Anfang 2018 seinen MBA-Studiengang abschließen wird. Doch die Vorlesungen an der GGS entschädigen meist für die verloren gegangene Freizeit. Die kleinen Lerngruppen ermöglichen einen regen Austausch untereinander. »So lernt man auch viel von den anderen Teilnehmern.«  Huber schätzt die gute Atmosphäre während der Veranstaltungen – und danach. Da zischt man in privater Runde dann gerne auch mal ein Bier.