Alexander Michelfelder und Jan Fries vom GGS-Iron Man-Team auf dem Rad.

So trainiert das GGS-Ironman-Team

Als Alexander Michelfelder und Jan Fries mit ihren silbernen Mittelklassewagen auf den Parkplatz rollen, schläft  die Stadt noch. Es ist sechs Uhr morgens auf dem Parkplatz eines Heilbronner Fitnessstudios. Nur zwei weitere Männer steigen schlaftrunken  in ihren Jogginghosen aus dem Auto, packen ihre Sporttaschen und verschwinden hinter der großen Glastür zum Fitnessstudio.

»Ich bin normalerweise kein Frühaufsteher«, behauptet Jan Fries. Und obwohl die Morgensonne noch nicht ganz aufgegangen ist, ist deutlich zu sehen, dass er daran gewöhnt ist: kein starrer Blick, der kurz nach dem Aufwachen meist an einem unbekannten Punkt in der Ferne haftet, kein Rand unter den Augen, kein Glänzen darin.  Jan Fries wirkt fit – nicht nur wegen der Radlerhose und des engen Sportshirts. »Muss halt«, sein Kommentar. Eigentlich meint er: »Will halt«.

Die GGS-Ironmen beim Lauftraining...
Die GGS-Ironmen beim Lauftraining...
... und beim Schwimmtraining.
... und beim Schwimmtraining. Fotos: hekfoto

Am 7. Juli 2013, wird dieser Wille für ihn und seinen Trainingspartner Alexander Michelfelder unerlässlich sein.  Beim Iron Man in Frankfurt wollen sie dann fast vier Kilometer schwimmen, 180 Kilometer radeln und über 42 Kilometer laufen – an einem Stück. Da ist das frühe Aufstehen für das Training noch die kleinste Anstrengung.

Denn das Hobby Iron Man ist ein Teilzeitjob. Bis zu 20 Stunden pro Woche wird trainiert. Zum Laufen, Radfahren und Schwimmen kommen noch Balanceübungen, um den Körper und das Gleichgewicht zu stärken.  Ihre Ernährung haben die Triathleten komplett umgestellt, auch wenn Jan gern scherzt: »Warum ich das mache? Es ist ganz einfach: Ich esse so gern. Und wenn ich so viel trainiere, kann ich essen, was ich will.«  Zum Frühstück gibt es statt Schokocreme aber einen Shake aus Soja und Ingwer, ansonsten viel Gemüse und genügend Kohlenhydrate.

Heute stehen 12,5 Kilometer Laufen auf dem Programm.  Vom Parkplatz am Europaplatz laufen die angehenden Iron Man zuerst an der Neckarwestseite bis zum Wertwiesenpark, dann an der Ostseite zurück. Diese Runde drei mal. So früh am Morgen sind die Fußwege am Neckar, auf denen sich sonst Radler und Spaziergänger drängeln, noch leer. Gleichmäßig ziehen Jan Fries und Alexander Michelfelder ihre Runden. Erst ab etwa 6.30 Uhr tauchen die ersten Menschen auf – natürlich andere Läufer. In ihren engen Rennhosen und Goretex-Shirts kommen sie den Iron Men entgegen. Ebenso gleichmäßig,  als wäre gar nicht in Frage gekommen, heute einfach mal noch etwas liegen zu bleiben.  Beim Vorbeilaufen grüßt man sich – eben unter Sportlern.

»Dieser Sport ist eine Lebenseinstellung«, erklärt Michelfelder knapp. Schon Ende der 90er hat er Triathlon gemacht. Damals kam er vom Fußball, war dort aber nach eigener Aussage zu langsam, um mithalten zu können. »Von der Seite kamen dann schon mal doofe Sprüche. Die Fans beim Triathlon sind dagegen wahnsinnig fair. Die feuern den Letzten bald noch mehr an, als den Ersten.«

Wegen Schmerzen hörte er 2002 auf, startete erst 2011 wieder mit dem Training. 20 Kilo hat Michelfelder seitdem wieder abgenommen. Lediglich ein Nebeneffekt.  Denn für ihn ist es vor allem der Vergleich mit anderen, der ihn antreibt. »Ich kann sagen: Der vor mir ist gut drauf, ich auch. Alles ist gut. Ich kann aber auch sagen: Ich bin besser drauf als er.« 

Um besser drauf zu sein, laufen, radeln und schwimmen die beiden hunderte Kilometer pro Woche. »Das ist wie bei einem Konto. Jeden Kilometer, den wir jetzt machen, zahlen wir für den Iron Man ein«, erklärt Michelfelder.

Das Hemd für den Arbeitstag verstaut Jan Fries im Auto.
Das Hemd für den Arbeitstag verstaut Jan Fries im Auto.
Gemeinsames Traning mit GGS-Sportkoordinator Thorsten Dum.
Training mit GGS-Sportkoordinator Thorsten Dum (l.). Fotos: Anika Galisch

Kennengelernt haben sich beide über die German Graduate School of  Management  and Law (GGS), die auch jetzt ihr Sponsor ist. Michelfelder machte dort neben seinem Job als Marketingreferent seinen Master of Science in Management, Fries neben der Arbeit bei der Stadt Heilbronn seinen Master of Laws in Business Law. Beim Drachenbootrennen kamen sie beide ins Gespräch über Triathlon. Jan Fries hatte damals gerade damit angefangen, Michelfelder stand nach der langjährigen Pause vor der Wiederaufnahme. Von da an trafen sie sich öfter zum Trainieren. Aus einer Bierlaune heraus entstand Ende 2011 die Idee, sich gemeinsam für den Iron Man vorzubereiten. »Wir hatten beide unabhängig  voneinander diesen Traum«, sagt Jan Fries.

Seitdem haben sie ihr Leben  komplett auf das Ziel hin umgestellt  - ein Balanceakt zwischen Privatleben, Beruf und Sport.  »Wir trainieren immer früh morgens, auch wegen unserer Familie«, erklärt Jan Fries. So wie heute heißt das: Eine Stunde trainieren und dann im Fitnessstudio duschen und für den Job umziehen, um dort pünktlich um acht Uhr zu sein. Und das ist nur das Wochenprogramm. Fries: »Am Wochenende ist die Haupttrainingszeit. Morgens um fünf steigen wird auf das Rad, fahren fünf bis sechs Stunden und bringen dann Brötchen fürs Frühstück mit nach Hause.«

Doch die körperliche und organisatorische ist nicht die größte Herausforderung.  Den Iron Man muss man vor allem auch mental bestreiten, weiß Michelfelder: »Triathlon ist eine One-Man-Show. Jeder ist selbst für sich verantwortlich. Es ist wie im Berufsleben.«  Neben dem Job ein herausforderndes Projekt schultern, das braucht Michelfelder. Zuerst war es das berufsbegleitende Studium an der GGS, nun der Iron Man. »Ich weiß so, dass ich über die eigene Grenze hinausgehen kann und bin selbstbewusster geworden.«

Gemeinsam gehen werden Alexander Michelfelder und Jan Fries den Weg nur bis zum 7. Juli. In Frankfurt selbst kämpft jeder für sich. Das Ziel: Noch bei Tageslicht ins Ziel kommen und sich vielleicht sogar für den großen Iron Man in Hawaii qualifizieren. In Frankfurt werden das laut Regeln nur die ersten sechs pro Altersklasse schaffen. Da heißt es noch viel üben für das laut Michelfelder »härteste Ein-Tages-Rennen der Welt«. (ag)