Von Schwaben in die weite Welt

Andreas Hauskrecht erinnert sich genau: »Ich saß in Colmar auf dem Marktplatz bei einer Zigarre und einem Glas Rotwein«, da hat Tomás Bayón von der GGS angerufen und dem Wirtschafts- und Finanzexperten einen Lehrauftrag an der Visiting Faculty angeboten. Hauskrecht hat angenommen – und im Juli 2010 seinen ersten Kurs an der Business School in Heilbronn gegeben. »Es war wie eine Reise in die Vergangenheit«, erzählt er.

Denn Hauskrecht hat als gebürtiger Stuttgarter schwäbische Wurzeln. So verbindet der 50-Jährige mit dem Unterricht an der GGS gerne einen Besuch in der alten Heimat – und verfällt dann auch mal in den hiesigen Dialekt.  Zwar hört man es nicht, aber »ich kann sehr gut Schwäbisch«, betont Hauskrecht mit einem Schmunzeln. »Und wenn ich genug Rotwein trinke, wird es immer besser.«

Zum Studium in die Hauptstadt

Damals hat ihn das Studium aus dem Schwabenland weg nach Berlin geführt. Hier macht er an der Freien Universität seinen Abschluss in Politikwissenschaft, hängt gleich darauf noch ein Diplom im Fach Wirtschaftswissenschaften an, in dem er schließlich auch promoviert. Von 1995 an arbeitet er am Lehrstuhl für die Stiftungsprofessur, die die Deutsche Bundesbank auf den Gebieten Geldtheorie und Geldpolitik, Währungstheorie und Währungspolitik sowie International Finance vergibt.

Erst sein Studium, später die Arbeit führen ihn immer wieder in die USA – bis er hier ganz hängen bleibt. Seit 2001 ist er Clinical Associate Professor of Business Economics an der Indiana University Kelley School of Business in Bloomington. Hier lebt er mit seiner brasilianischen Frau und den zwei Töchtern und fühlt sich sehr wohl. Vor allem, erzählt er, seitdem die Amerikaner auf den Geschmack von gutem Kaffee gekommen seien. »Ende der 80er bin ich auf der Suche danach noch gnadenlos gescheitert.«

Geschätzter Berater

Der Begriff sesshaft ist für ihn dennoch nicht angebracht. Dafür ist Hauskrecht nach wie vor zu viel unterwegs. Nicht nur Universitäten, sondern auch Regierungen und Banken in Europa, Südamerika und Asien nehmen seine Fachkenntnisse in der Wirtschafts- und Finanzpolitik in Anspruch. Unter anderem ist Hauskrecht seit mehr als 20 Jahren für Vietnam beratend tätig. Welch hohe Wertschätzung er dort als Berater und Mensch erfahren hat, zeigt sich am ehemaligen Premierminister Võ Văn Kiệt, der Anfang der 90er Jahre die Reformen im Land angestoßen hatte: Hauskrecht durfte Onkel zu ihm sagen.    

Trotz seiner großen Erfahrung, kann sich der passionierte Radfahrer und Läufer (Marathon-Bestzeit 3h:21min) immer wieder für neue Aufgaben begeistern. Wie für die Lehre an der GGS. Hierbei legt er viel wert auf den Bezug zur Praxis: So bindet er in den Unterricht durchaus mal eine Fahrt zur Frankfurter Börse oder einen Besuch bei der Deutschen Zentralbank ein. Die Studierenden schätzen diese Abwechslung sowie das immense Fachwissen ihres Dozenten – und seinen trockenen Humor. Hauskrecht wiederum findet die Qualität und Motivation der GGS-Studierenden »bemerkenswert«. Im Wirtschaftsleben nennt man so etwas eine Win-win-Situation.