»Viele unserer Klischees wurden aufgelöst«

17.05.2017

Chinesische Mauer, Smog, Plagiate, Reis und Hund zum Abendbrot – wir alle haben ein bestimmtes Bild von China im Kopf. Doch entspricht es der Realität? Bei der Studienreise nach China im April sind die Teilnehmer der chinesischen Wirklichkeit begegnet. Wie er sie erlebt hat, verrät der Leiter der International Study Tour, Prof. Dr. Christopher Stehr, im Interview. 

Die China-Reise stand unter dem Motto »From Cliché to Reality«. Wie sieht die chinesische Realität denn nun aus?

Entsprechend der Vielzahl an Menschen hat die chinesische Realität ebenso viele verschiedene Facetten. Wir hier in Deutschland bekommen davon nur einen kleinen Teil widergespiegelt. Während der Studienreise hatten wir die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken und einen tieferen Einblick in Kultur, Politik und Wirtschaft zu erhalten. Der Titel der Studienreise hat sich daher bewahrheitet. Viele unserer Klischees wie täglich schwerer Smog in China wurden aufgelöst und durch realistischere Bilder wie die großer Gastfreundschaft und Herzlichkeit oder auf unternehmerischer Ebene absolute Wettbewerbsfähigkeit statt Kopierfabrik ersetzt. 

Was hat dich besonders beeindruckt? 

Auf der politischen Seite die »relative Offenheit« und Möglichkeit, je nach sozialer und gesellschaftlicher Situation der Chinesen zu diskutieren. Auf der kulturellen Ebene hat mich beeindruckt, wie stark die mehrtausendjährige Geschichte zu spüren ist, das pulsierende Nachtleben aber den Vergleich mit jeder westlichen Großstadt bestehen kann. Wirtschaftlich gesehen fand ich die unterschiedlichen Produktionsbedingungen spannend, die von Top-Standards eines Weltmarktführers über den interessanten Standard einer außerhalb gelegenen technischen Fertigung bis hin zu den Produktionsstandorts, die in unseren Augen einem emerging country entsprechen, reichen. 

Bei der Studienreise steht die Begegnung mit Menschen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Fokus. Welcher Mehrwert entsteht so für die Studierenden? 

Wir haben während dieser Studienreise etwa 220 Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen, sozialen und politischen Ebenen kennengelernt. Durch den direkten Austausch mit ihnen ist es möglich, sich ein differenzierteres Bild zu machen. Engere Kontakte konnten unter anderem mit dem Schienenfahrzeughersteller CRRC und dem Journalisten Frank Sieren als Allround-Supporter geknüpft werden. Manchmal entstehen aus dem Gespräch sogar konkrete Geschäftsbeziehungen.

Dein ultimativer Reisetipp für China?

Folgende Reiseroute: Beijing – Shanghai – Shenzhen – Hong Kong. Hinfahren, staunen, lernen und genießen. 

Nach der Reise ist vor der Reise – was kannst du über die International Study Tour 2018 verraten?

Ich kann verraten, dass es in ein westliches Land geht, das früher einmal als die westliche Supermacht bezeichnet wurde und China an politischen Herausforderungen und Innovationspotential zumindest teilweise nahe kommt. Geplante Themenschwerpunkte sind: Industrie 4.0, autonomes Fahren, Digitalisierung und Kollektivität.