Unter Strom: Wie Sonnen den Energiemarkt revolutionieren will

02.03.2018

Bill Gates hat es getan, ebenso Mark Zuckerberg und Steve Jobs. Sie alle haben die Universität ohne Abschluss verlassen. Damit reiht sich Philipp Schröder, Geschäftsführer bei dem Energiespeicher-Unternehmen Sonnen, nach unvollendetem Jurastudium ein in die Liste berühmter Studienabbrecher. Und wie diese will er nichts anderes als die Welt verändern – mit sauberer Energie. Wie das Unternehmen aus dem beschaulichen Wildpoldsried im Allgäu zum Weltmarktführer von Sonnenergie werden will, zeigte der 34-Jährige beim GGS Heilbronner Management Dialog in der Aula auf dem Bildungscampus.

Sonnen bedient sich dabei dem Prinzip der Shared Economy. Vernetzung ist für Schröder auch auf dem Energiemarkt das Erfolgsprinzip der Zukunft. So baut und vertreibt Sonnen Speicherbatterien für Solarenergie, doch das eigentliche Geschäftsmodell ist die Sonnen-Community – ein weltweites Energienetz, aus dem jeder nach Bedarf Strom einspeisen oder beziehen kann. Schröder beamt eine große Weltkarte an die Wand, auf der hellblaue Pünktchen verstreut sind. Jedes dieser Pünktchen ist eine Sonnenbatterie. Deutschland ist damit bereits übersät, auch in Italien, Amerika und im Süd-Osten Australiens leuchten die kleine Kreise auf. Der Rest der Erdkugel – das sieht man  – ist noch ausbaufähig. »Es gibt noch viel zu viele, die uns nicht kennen«, weiß auch Schröder. Doch das soll sich schnell ändern.

»Wir machen Tesla regelmäßig nass«

Jemand, der Sonnen nur zu gut kennt, ist Tesla. Der Riese aus den USA, der neben Elektroautos auch Energiespeicher baut, ist einer der schärfsten Konkurrenten des mittelständischen Unternehmens. Schröder liebt das Kräftemessen mit dem großen Player. »Weil wir ihn regelmäßig nass machen.« Gerade erst habe Sonnen Tesla einen großen Deal in Australien vor der Nase weggeschnappt. Damit stichelt er gegen seinen alten Arbeitgeber, denn Schröder hat zwei Jahre lang das Deutschlandgeschäft von Tesla geleitet und war Elon Musk persönlich unterstellt. Von ihm hat Schröder viel gelernt, zum Beispiel Fehler zuzulassen, aber auch dass Erfolg einem nicht zufliegt. Eine 90-Stunden-Woche ist bei dem jungen Manager die Regel. Er weiß, dass Tesla den Wettbewerb mit Sonnen sportlich nimmt – ebenso die verbalen Attacken aus dem Allgäu, die der 34-Jährige zur Freude des Publikums auch beim Management Dialog immer wieder einwirft. »Die können das ab.«  

Sonnen ist noch längst nicht am seinem Ziel angekommen, aber auf dem besten Weg dahin. 2016 hat es der Energiespezialist auf die Liste der 50 innovativsten Unternehmen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) geschafft. Der nächste Coup ist bereits auf dem Markt: Mit dem SonnenCharger sollen Besitzer von Elektroautos ihren Wagen mit eigenem, sauber erzeugtem Strom laden können. Damit möchte Sonnen auch die Elektromobilität nachhaltig und flächendeckend verändern – und den Elektroautohersteller Tesla ein weiteres Mal ärgern.