MBA Studentinnen auf Studienreise in Afrika

19.02.2019

Im November hatten unsere MBA Studentinnen Verena Hiller und Sonja Westenhöfer die Gelegenheit, zusammen mit unserer International Relations Managerin Constanze Wagenblast unsere Partneruniversität WITS in Johannesburg zu besuchen. Neben Südafrika ging es auf der Studienreise zum Thema „Entrepreneurship“ auch nach Botswana und Namibia, wo sie diverse Unternehmen und Start-Ups kennenlernen konnten. Im Interview verraten uns die Studentinnen, was ihnen besonders gut gefallen hat, was sie überrascht hat und in welchen Bereichen der deutsche Unternehmer noch etwas von den afrikanischen Kollegen lernen kann.

Wie seid Ihr auf die Studienreise gekommen?

Hiller: Wir hatten glücklicherweise die Möglichkeit, die Studienreise im Rahmen von unserem Wahl-Modul „International Perspectives on Business“ zu wählen. Und Constanze hat uns dann den Tipp gegeben, dass unsere südafrikanische Partneruni WITS eine Studienreise anbietet.

Wie liefen die Vorbereitungen?

Hiller: Wir hatten eine riesengroße Unterstützung vom südafrikanischen Reiseveranstalter für das Buchen der Flüge, der Unterkunft für die ersten Tage und sogar für unseren Wochenendausflug. Teilweise waren die Vorbereitungen aber bereits die erste Herausforderung. Wir Deutschen wünschen uns doch oft etwas mehr Planung als die Südafrikaner. Das Programm kannten wir erst wenige Tage vor dem Abflug, aber vor Ort hat dann alles prima geklappt!

Westenhöfer: Wir hatten eine Unterstützung durch den Reiseorganisator in Südafrika, der uns auch Ideen und Tipps für unseren verlängerten Aufenthalt gegeben hat. Trotzdem bedarf es doch einiger Recherche, welche Orte man besuchen will, Transport ect.

Was hat Euch an Afrika so fasziniert?

Westenhöfer: Ich war neugierig auf Land und Leute. Ich hatte zuvor noch keine Berührungspunkte mit der afrikanischen Kultur. Von einigen Bekannten hatte ich schon gehört, wie einzigartig Landschaft und Tierwelt sein sollen.

Hiller: Mich hat im Vorfeld insbesondere interessiert, ein eigenes Bild von Afrika zu bekommen. Von Erzählungen, Medien, Filmen bekommt man so viele unterschiedliche Bilder und Eindrücke, dass ich mir mein eigenes Bild machen wollte.

Hat sich das vor Ort bestätigt?

Hiller: Diese Vielschichtigkeit von Afrika und die großen Unterschiede haben wir dort auch erlebt. Trotz einer Vielzahl an eigenen Eindrücken kann man das Land vermutlich immer noch nicht verstehen, hat aber einen viel besseren Eindruck.

Westenhöfer: Die Reise hat sich definitiv gelohnt. Die Landschaft war super schön. Interessant waren auch die Facetten und Unterschiede der besuchten Orte. Die Landschaft in Namibia war im Vergleich zu Südafrika in meinen Augen noch kraftvoller. Die Tierwelt auf den Game Drives atemberaubend.

Die Kultur hat mich fasziniert. Die Kluft der Gesellschaft von arm und reich getroffen. Auch die Herausforderungen des Landes für Bildung, Entwicklung, Wirtschaftswachstum, Wasserversorgung und soziale Herausforderungen wie Kriminalität regen zum Nachdenken an.

Wie war der Austausch mit den Partner-KommilitonInnen?

Hiller: Am Anfang war die Gruppe eher zurückhaltend uns gegenüber. Allerdings hatten wir am zweiten Tag in Kleingruppen eine Art Schnitzeljagd. Und an diesem Tag habe ich nicht nur mit den Kommilitonen viel Zeit verbracht, sondern hatte auch tolle Gespräche über das Land, den Alltag, die Politik, die Sicht auf die Welt, die afrikanische Kultur, etc. Die Südafrikaner haben auf mich aufgepasst in einer unbekannten Umgebung und das war ein toller Start, um besser in die Gruppe integriert zu werden. Und schlussendlich habe ich aus all den persönlichen Gesprächen während der Studienreise am meisten gelernt und mitgenommen.

Westenhöfer: Spannend. Die Reaktionen auf uns und einen interkulturellen Austausch waren  unterschiedlich. Manche sehr interessiert auch was uns in Europa umtreibt.

Neben dem Austausch über Wirtschaft waren auch Kultur, persönliche Perspektiven und Interessen Thema.

Welche Betriebe wurden besucht? Wo konntet Ihr etwas dazulernen und was?

Westenhöfer: In allen drei besuchten Staaten bekamen wir einen Vortrag zur Übersicht über die wirtschaftliche Situation des Staates. Trotz des guten Tourismus fließt viel Geld an den Staaten vorbei ins Ausland.

Hiller: Wir haben unterschiedliches gesehen: verschiedene Banken, ein staatliches Diamantenunternehmen, Coca Cola. Besonders beeindruckt haben mich allerdings kleinere Unternehmen: Ein Restaurant mit traditionellem Essen, das von einer sehr engagierten und sympathischen Besitzerin ohne finanzielle Mittel und ohne Gebäude gestartet wurde und inzwischen eine weitere Filiale eröffnet. Oder eine Keksfabrik, deren Gründerin vorrangig Menschen in Townships helfen möchte. In ihrem Unternehmen arbeiten fast nur Frauen, die damit ihre Kinder ernähren und zur Schule bringen können. Die Gründerin hat mich wirklich inspiriert und gezeigt, wie mit persönlichem Einsatz etwas Positives bewegt werden kann. Man sollte im Kleinen anfangen, etwas zu ändern!

Die Studienreise stand unter dem Thema „Entrepreneurship“. Inwiefern unterscheidet sich das Unternehmertum in Afrika von dem in Deutschland?

Hiller: Die Beweggründe v.a. von Start-ups habe ich als sehr unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland wahrgenommen. Einige südafrikanische Kommilitonen würden gerne ein eigenes Unternehmen gründen, um der Gesellschaft und dem Land etwas Gutes zu tun und es nach vorn zu bringen. Dies haben wir auch stark in den Unternehmensbesuchen erlebt. Dieser stark ausgeprägte Fokus auf die Veränderung und Entwicklung des Landes bzw. der Region hat mich beeindruckt.

Was sollten Eurer Meinung nach deutsche Unternehmen von den afrikanischen Kollegen implementieren – und was besser nicht?

Westenhöfer: Ich hatte den Eindruck, dass teilweise mehr Gelassenheit herrscht. Außerdem werden eigene Erfolge anderer  mit Anerkennung gefeiert. In einigen Situationen wusste ich aber doch die deutsche Zuverlässigkeit zu schätzen.

Hiller: Das Mindset, etwas verändern zu wollen und zu können. 
Den Fokus auf das Land bzw. die Region habe ich aber auch gleichzeitig als Nachteil wahrgenommen. Der Nationalstolz sollte nicht die Augen verschließen vor den Entwicklungen in anderen Teilen der Welt. Deutsche Unternehmen sollten weiterhin das Interesse an anderen Märkten und vor allem an Trends und Entwicklungen in anderen Gebieten der Welt nicht verlieren. Durch den Austausch und offenen Blick können Unternehmen lernen und neue Ideen entwickeln.

Was hat Euch verwundert?

Westenhöfer: Dass dort ähnliche Themen anstehen wie in Europa bedingt durch Flüchtlingsthematik, Niedrigzinsphase und unterschiedliche wirtschaftliche Stärke im afrikanischen Raum.

Hiller: Vielleicht nicht nur verwundert, sondern manchmal auch entsetzt haben mich die starken gesellschaftlichen Unterschiede, die leider oft in Spannungen und Konflikten enden. Ich hatte leider oft den Eindruck, dass der Blick leider immer noch oft nach hinten in die eigene Vergangenheit des Landes gerichtet ist und nicht nach vorn.

Was waren Eure Highlights?

Hiller: Neben den vielen tollen persönlichen Begegnungen und Gesprächen waren natürlich auch unsere Ausflüge zum Cape of good Hope oder nach Pilanesberg wirklich Highlights.

Westenhöfer: Kapstadt und die Safari Tour.

Wem würdet Ihr eine Studienreise mit der GGS empfehlen?

Hiller: Eigentlich jedem, da Afrika wirklich für jeden etwas zu bieten hat! Tolle Menschen, eine einmalige Natur, gutes Essen und interessante Einblicke, wie sich ein Land mit schwieriger Vergangenheit entwickelt.

Westenhöfer: Jedem  der an anderen Kulturen und Länder interessiert ist!

 

Kommentar Constanze Wagenblast:

Es hat mich gefreut, dass die Wits mir einen Platz bei ihrer Studienreise angeboten hat, und ich unsere beiden Pioniere Sonja und Verena begleiten konnte. Für mich ist es immer wichtig, die Kooperationspartner persönlich zu kennen, vieles läuft auf Beziehungsebene. Außerdem ist es immer einfacher Angebote weiter zu empfehlen, die man selbst kennengelernt hat. Da ich Studienreisen organisiere, war es für mich auch wichtig zu sehen, wie es andere renommierte Business Schools machen und konnte dabei feststellen, dass wir bereits auf sehr hohem Niveau arbeiten.

Afrika ist ein wichtiger Kontinent und sollte meiner Meinung nach mehr Beachtung finden. Das ist auch schon beim DAAD mehr in den Fokus gerückt und wir konnten beide Teilnehmer mit Promosmitteln fördern. 

Ein besonderes Highlight war für mich, ehemalige Witsstudenten aus der Summer Academy in Johannesburg und Kapstadt zu treffen und zu sehen, dass ihr Besuch in Heilbronn eine positive Sicht auf Deutschland, seine Menschen und unsere Region mit ihren Mittelstandfirmen hinterlassen hat. Daher möchte ich auch auf die Begegnungsmöglichkeit mit den Studierenden von unseren Partnerhochulen aus USA, Thailand, China, UK und Südafrika während der nächsten Summer Academy vom 8. bis 13. Juli 2019 hinweisen.

Ich bin definitiv nicht das letzte Mal in Südafrika gewesen. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit und die Schönheit des Landes umwerfend, weil es so facettenreich ist.

Die diesjährige Studienfahrt wird in Israel vom 30. März bis zum 09. April stattfinden. Informationen dazu gibt es auf unserer International Study Tour Seite.