»Heilbronn ist ein attraktiver Gründer-Standort«

07.07.2017

Als Programm-Manager Entrepreneuership an der GGS berät Dr. Frederik Metzger junge Gründer beim Aufbau ihres Start-ups. Im Interview spricht er über die Vorzüge von Heilbronn und welche Fehler junge Unternehmer gerne machen. 

Schwaben statt Berlin: Warum ist Heilbronn für Gründer ein attraktiver Standort? 

Vom „Hipness-Faktor“ ist Berlin natürlich unschlagbar. Doch hip sein ist nicht alles. Geht man tiefer, findet man in Heilbronn ungeborgene Schätze. Die Wege sind einfach kürzer, nicht nur geografisch, sondern auch zum Investment. Es gibt zahlreiche kleine Spieler, die in der Region Heilbronn-Franken in frühen Start-up-Phasen investieren wollen. Außerdem gibt es visionäre Akteure, die sich ausschließlich auf das Voranbringen der Start-up-Szene Heilbronns fokussiert haben. Dabei steht nicht das eigene Gewinnstreben im Vordergrund, sondern das Anliegen, Heilbronn zu einem lebendigen Standort für Neugründungen zu machen. Diese Expertise auf so kleinem Raum zu finden, macht Heilbronn zu einem attraktiven Gründer-Standort. 

Junge Leute denken vernetzt. Welche Möglichkeiten zum Austausch unter Start-ups gibt es hier?  

Für die Vernetzung gerade junger Leute gibt es seit zwei Jahren die „Startup Meetups“.  Diese werden von der GGS und dem Coworking-Space Heilbronn gemeinsam organisiert, damit Gründungsinteressierte und Gründer zusammenkommen und sich vernetzen können. In regelmäßigen Abständen werden Gründerinnen, Gründer oder gründungsnahe Experten eingeladen, um in einer informellen Atmosphäre über ihre Erfahrungen zu berichten. Für die Teilnehmer besteht die Möglichkeit, ohne große Hemmschwelle miteinander ins Gespräch zu kommen und Fragen rund um die Gründung zu stellen.

Das Institut für Unternehmertum an der GGS forscht rund um das Thema Gründung von Unternehmen. Von welchen Erkenntnissen aus dieser Forschung können insbesondere Start-ups profitieren?

Ein Forschungsstrang beschäftigt sich mit der Rolle von Gründern in der weitergehenden Forschung und Entwicklung der Produkte. Prinzipiell ist es unklar, ob sich Gründer auf das allgemeine Management konzentrieren sollten oder ob eine direkte Involvierung in der Produktentwicklung besser ist. Die Ergebnisse zeigen klar, dass auf die Expertise des Gründers in der Produktenwicklung nicht verzichtet werden sollte.

Ein weiteres Projekt geht der Frage nach, wie junge Unternehmen ihre Legitimität im Markt steigern können. Speziell wird untersucht, ob Produkte, die von den Kunden selbst personalisiert werden können, die Legitimität des Unternehmens und damit die Kaufabsicht bei den Kunden erhöhen. Da personalisierbare Produkte an Bedeutung gewinnen, hat dieses Projekt eine hohe Relevanz für die Praxis.

Du bist seit kurzem Programm-Manager für Entrepreneurship an der GGS. Was genau sind deine Aufgaben? 

Der Schwerpunkt meiner Aufgaben liegt in der Beratung und Förderung von jungen Gründern, was ich im Rahmen eines Start-up-Coachings anbiete. An zweiter Stelle steht die Initiierung und Organisation von Veranstaltungen, wie beispielsweise den oben erwähnten Startup Meetups. Hier werden in Zukunft noch neue Veranstaltungsformate folgen. Schließlich bin ich auch für die Kontaktanbahnung und Vernetzung mit den Partnern in der Region zuständig. Die GGS soll als Akteur in der Gründungslandschaft Heilbronns noch sichtbarer werden.

Du hast es angesprochen: Für GGS-Studierende bietest du ein Start-up-Coaching an. Was sind typische Anfängerfehler und wie kann man sie vermeiden? 

Studierende sind sehr gut darin, Pläne und Konzepte zu erstellen. Doch wenn es an die Umsetzung geht, hapert es oft. Was sollen die ersten Schritte sein? Wie akquiriere ich Partner? Wo finde ich meine ersten Kunden? Hier sollte möglichst praktisch und pragmatisch gedacht werden. Der erste Produkttester könnte beispielsweise der erste Kunde sein. Partner finden sich oft im unmittelbaren Umfeld und müssen nicht regionsübergreifend gesucht werden. – Gründer sind allem voran „Macher“, die die Dinge umsetzen.