EUDiM – Umgang mit kultureller Vielfalt in kleinen und mittelständischen Unternehmen

Der demografische Wandel in den EU-Ländern stellt eine große Herausforderung dar. Im Zuge der Alterung der europäischen Gesellschaft wird das Durchschnittsalter in den nächsten vier Jahrzenten von ca. 40 auf 50 Jahre steigen. Gleichzeitig nimmt die Lebenserwartung stetig und anhaltend um zwei bis drei Monate pro Jahr zu. Die Bevölkerung ist in vielen Ländern Europas rückläufig, gleichzeitig war das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts von enormen Zuwanderungswellen geprägt: Jahr für Jahr kommen etwa 1,7 Mio. Menschen aus anderen Ländern nach Europa.

Aufgrund dieser Zuwanderung wird der ethnische und kulturelle Hintergrund der Mitarbeiter in Unternehmen immer vielfältiger. Die Zugewanderten entsprechen meist nicht der geltenden Norm der aufnehmenden Gesellschaft; oft bringen sie andere Verhaltensregeln, Werte, Einstellungen und normative Ausrichtungen mit. Diese Diversität kann sowohl der Zusammenarbeit am Arbeitsplatz als auch der gesellschaftlichen Integration im Weg stehen. Angesichts dieser zunehmend divers zusammengesetzten Arbeitnehmerschaft haben zahlreiche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Europa sogenannte Diversity-Management-Programme eingeführt. Obwohl sich derzeit viele Forschungsprojekte mit Diversity Management beschäftigen, gehen die Meinungen darüber, was Diversity Management beinhaltet, nach wie vor stark auseinander, was wiederum den Aufbau einer soliden, schlüssigen Wissensbasis behindert. Ein Großteil der Arbeit ist spekulativ und die aus empirischen Studien über Diversity Management gewonnenen Erkenntnisse sind nach wie vor bruchstückhaft und inkonsistent. Es liegen kaum Forschungsergebnisse über kulturelle Vielfalt in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor, obwohl gerade diese möglicherweise stärker von demografischen Veränderungen betroffen sind als große Unternehmen.

Unser Forschungsprojekt legt den Schwerpunkt auf das Management kultureller Diversität in KMU und konzentriert sich dabei besonders auf hochqualifizierte Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten. Damit möchten wir den Einsatz und die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Integration von Fachkräften im Unternehmen besser nachvollziehen. Diese Erkenntnisse werden uns in die Lage versetzen, Entscheidungsträgern evidenzbasierte Empfehlungen für den Umgang mit einer von kultureller Vielfalt geprägten Belegschaft und für die bessere Integration qualifizierter Fachkräfte zu geben, besonders, wenn diese aus Nicht-EU-Ländern stammen.

Nach eingehender Beschäftigung mit der Forschungs- und Praxisliteratur zum Thema Diversity Management haben wir semistrukturierte Interviews mit Experten in vier Ländern – Deutschland, Österreich, Italien und Spanien – geführt. Hierauf folgten Fokusgruppen mit Einwanderern aus Nicht-EU-Ländern. Im Rahmen der Interviews und der Fokusgruppen wurden unter anderem die Herausforderungen des Arbeitens in einem fremden Land, die Unterstützung durch das Unternehmen, die Bewältigungsstrategien Einzelner und Vorschläge zur besseren Integration erörtert. Den Abschluss bildete eine Online-Umfrage zum Thema Integration aus der Sicht von Unternehmen und Einzelpersonen.

Im Fragebogen für Unternehmen wurde gemessen, inwieweit Prinzipien des Cultural Diversity Managements wie Unterstützung durch die Geschäftsführung, Schaffung eines Klimas kultureller Vielfalt, Anpassung an das äußere Umfeld sowie Anpassung an die Unternehmensstrategie in KMU umgesetzt werden. Der Hauptteil des Fragebogens beschäftigte sich mit dem Einsatz und der Wirksamkeit konkreter Managementpraktiken zur Förderung kultureller Vielfalt. Weitere Fragen betrafen die Gründe für die Umsetzung des Diversity Managements, die damit verbundenen Schwierigkeiten und die erzielten Ergebnisse. Die Fragebögen für Einzelne konzentrierten sich dagegen auf die Wahrnehmung von Diversity-Management-Methoden durch Einwanderer. Anhand dieser Antworten können die Erfahrungen der Arbeitgeber mit denen der zugewanderten Arbeitnehmer verglichen werden. Darüber hinaus konnten wir eine Reihe von Einzelaspekten messen, die vom Diversity Management beeinflusst werden können, wie z. B. Zufriedenheit am Arbeitsplatz, Einleben in die neue Kultur und Engagement für das Unternehmen.

Wir werten derzeit die aus diesem Forschungsprojekt gewonnenen Daten aus und verfassen wissenschaftliche Arbeiten sowie Praxisrichtlinien zum Umgang mit kultureller Vielfalt in kleinen und mittleren Unternehmen.

Internetseite des Projekts: www.eudim.eu

Projektmitglieder

Vorträge bei Konferenzen und Seminaren

  • Kühlmann, T. M., Stahl, G. K., Heinz, R., Hajro, A., & Vodosek, M. 2016. Integrating highly qualified immigrant (HQIs) into European small and medium- sized organizations: The roles of individual effort, organizational support and social support. Paper presented on December 3 at the European International Business Academy Conference, Vienna, Austria.
  • Kühlmann, T., Vodosek, M., & Heinz, R. 2015. Managing cultural diversity in European small and medium-sized enterprises. Paper presented on May 28 at the Conference on Self-Initiated Expatriation in Toulouse, France.
  • EUDiM Consortium. 2015. Symposium on Diversity Management in European SMEs on May 13. EU Liaison Office of the German Research Organizations, Brussels, Belgium.

Publikationen

  • EUDiM Consortium. 2015. Managing cultural diversity in SMOs: Final report. Bayreuth, Germany: Bayreuth Research Institute for Small and Medium-Sized Enterprises at the University of Bayreuth. [Link]

Kooperationspartner

  • BF/M Bayreuth Research Institute for Small and Medium sized Organizations at the University of Bayreuth: Prof. Dr. Torsten M. Kühlmann, Ramona Heinz, Martin Rochi
  • efms (European forum for migration studies at the University of Bamberg): Luisa Seiler
  • GES in Barcelona, Spain (Gabinet d‘Estudis Socials, SCCL): Joaquim Aiguabella, Paolo Leotti
  • IIB (Institute for International Business at Vienna University of Economics and Business:  Prof. Dr. Günter Stahl, Doris Friedrich
  • Lunaria, Rome:  Grazia Naletto, Giovanni Alteri
  • Cooperation Partner: GGS German Graduate School of Management and Law

Finanzierung

  • Co-finanziert durch die Europäische Union