Die Heilbronner Erklärung zur gesellschaftlichen Verantwortung

Wie misst und vergleicht man das verantwortungsvolle Wirtschaften von mittelständischen Unternehmen unter ökonomischen, ethischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten? Diese Frage beschäftigte die Unterzeichner der Heilbronner Erklärung, die Unternehmen Bera, CSI, Heilbronner Stimme, Hirschmann Laborgeräte, Intersport, Marbach, Martin Priebe – Beratung & Training sowie die German Graduate School of Management and Law (GGS). Zweieinhalb Jahre lang haben sich die Unternehmen regelmäßig getroffen, um Erfahrungen auszutauschen sowie Instrumente für einen glaubwürdigen und nachhaltigen Einsatz von CSR-Maßnahmen zu entwickeln. Im Mai 2015 stellten sie ihre CSR-Berichte vor.

Intrinsische Motive beeinflussen CSR-Erfolg

Häufig sind es externe Faktoren wie die Erwartungshaltung der Kunden, Ansprüche gegenüber Lieferanten, das Verhalten von Wettbewerbern oder Gesetze und Verhaltensnormen, die Firmen zu CSR-Aktivitäten animieren. Die Heilbronner Erklärung schließt diese Punkte zwar mit ein, zeigt aber auch, wie wichtig intrinsische Motive und die Einbindung aller Mitarbeiter für ein erfolgreiches CSR-Management sind. Denn nur wenn sich die Mitarbeiter mit den ethischen Grundwerten ihres Unternehmens identifizieren, ist CSR nachhaltig.

Zahlreiche Beispiele belegen dies: So baute ein Mitarbeiterteam des Personaldienstleisters Bera im Rahmen eines Hilfsprogramms Brunnenanlagen in Äthiopien, der Sportfachhändler Intersport unterstützte mit Sachspenden eine Kinderklinik in Tansania und CSI beteiligt sich nicht nur monetär an einer Hundestaffel. Marbach, ein Unternehmen der Verpackungsmittelindustrie, nutzt die Sonnenenergie mit Hilfe einer Photovoltaikanlage auf den Produktionshallen und Hirschmann Laborgeräte lässt sich den schonenden Umgang mit Ressourcen regelmäßig zertifizieren. Diese und viele andere Beispiele zeigen, die Heilbronner Erklärung ist mit Leben gefüllt und entwickelt sich als Herzenssache ständig weiter.

Motivation für andere Marktteilnehmer

Initiator Christopher Stehr, Professor für Internationales Management an der GGS, und sein Team haben die Heilbronner Erklärung von Anfang an wissenschaftlich begleitet. »Die Heilbronner Erklärung ist einmalig und bewegt etwas. Denn die teilnehmenden Unternehmen schaffen selbständig Strukturen, die das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung fördern. Mit ihren Netzwerken erzielen sie eine starke Außenwirkung und motivieren damit auch andere Marktteilnehmer zum Wirtschaften nach CSR-Regeln«, so Stehr.

Alle nach den Maßstäben der Heilbronner Erklärung auditierten Unternehmen sind anhand ihrer einheitlichen CSR-Bilanzierung vergleichbar. So können sich die Firmen austauschen und in sehr positiv bewerteten Kriterien gegenseitig als Benchmark dienen. Zweitens sind aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes bei der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts die gesamte Organisation und die Stakeholder der Unternehmen einbezogen. Dies ermöglicht eine starke Identifikation mit den CSR-Aktivitäten.

Ein weiteres wichtiges Merkmal der Heilbronner Erklärung ist die Transparenz. Der CSR-Bericht spiegelt positive und negative Aspekte ausgewogen wider und ermöglicht keine positive Darstellung von sogenannten »Greenwashing«-Aktivitäten, die eher dem Marketingzweck dienen, als gesellschaftlichen Nutzen zu stiften.