Empirische Studie

Empirische Studie

Das entwickelte Forschungsmodell wurde im Rahmen einer empirischen Studie unter den 2.500 größten Unternehmen Deutschlands des produzierenden Gewerbes empirisch getestet. Es zeigt sich, dass das Modell einerseits einen ganzheitlichen Erkläransatz für den Innovations- und wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ermöglicht und zum anderen Verbesserungspotenziale aufdeckt, aus welchen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten lassen.

Unternehmensexterne Faktoren

Die empirische Analyse zeigt sehr deutlich, dass die Intensität der Interaktion mit den verschiedenen Netzwerkpartnern signifikant mit dem im Unternehmen verfügbaren Wissen zusammenhängt. Die Zusammenhänge sind gerade mit Kunden, Entwicklungspartnern und Verbänden/Arbeitskreisen stark ausgeprägt, wogegen etwas überraschend Lieferanten, Cluster und das außerberuflichen Netzwerk nur eine geringe Rolle spielen. Ebenso zeigt sich konsistent, dass ein hohes Maß an Vertrauen und Offenheit zu den unterschiedlichen Geschäftspartnern hochgradig bedeutsam für einen effektiven Wissenstransfer ist.

Unternehmensinterne Faktoren

Die katalytische Wirkung der Aufnahmefähigkeit konnte bestätigt werden, was bedeutet, dass Unternehmen mit hoher Aufnahmefähigkeit in einem höheren Maße von ihrem Unternehmensnetzwerk profitieren können als Unternehmen mit einer geringen Aufnahmefähigkeit. Besonders die Fähigkeit der Wissensakquisition bewährt sich in hohem Maße bei der Beschaffung von Marktwissen. Somit schafft die Aufnahmefähigkeit eine Basis insbesondere für den Innovationserfolg und trägt zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

Darüber hinaus weist die Umsetzungsfähigkeit einen starken direkten Einfluss auf den tatsächlichen Innovations- und wirtschaftlichen Unternehmenserfolg auf. Es zeigt sich ferner, dass eine hohe Umsetzungsfähigkeit in besonderem Maße dazu beiträgt, von erworbenem Marktwissen zu profitieren und es bei der Entwicklung neuer Produkte bzw. bei der Weiterentwicklung existierender Produkte einzusetzen. Solche Unternehmen treffen punktgenauer Kundenanforderungen und entwickeln nicht am Markt vorbei.

Eine weitere Einsicht ist, das Technologie-Know-how in den meisten Unternehmen stärker ausgeprägt ist als das Umsetzungs-Know-how. Letzteres differenziert besonders innovative Unternehmen vom Durchschnitt, so dass Umsetzungs-Know-how die wichtigere Gestaltungsgröße und ein wichtiges Charakteristikum von Innovationsführern ist.

Ansätze eines Innovationsmanagements zur Verbesserung der Aufnahme- und Umsetzungsfähigkeit

Ein dediziertes Innovationsmanagement hat einen starken positiven Einfluss sowohl auf den Innovationserfolg und den wirtschaftlichen Erfolg als auch auf den Wissensstand:

  • Die empirische Studie zeigt, dass ein strukturiertes Ideenmanagement hilft, neue Märkte deutlich schneller zu identifizieren und zu entwickeln und stark mit der Kompetenz im Bereich der Anwendung von neuen Technologien korreliert. Dennoch hat weniger als die Hälfte der Unternehmen ein solches strukturiertes Ideenmanagement.
  • Auch die explizite Messung des Innovationserfolges kann den langfristigen Innovationsprozess verbessern, da gewonnene Erkenntnisse besser in die Entwicklung zukünftiger, neuer Produkte eingebracht werden können. Doch auch hier findet eine solche Messung nicht einmal bei der Hälfte der Befragten statt.

Die bisherige Forschung zu Innovationen erfolgte vorwiegend unter dem herrschenden Paradigma, dass ein Mehr an bestimmten Inputfaktoren auch ein Mehr an Innovationen hervorbringt. Weit über 100 Inputfaktoren wie Finanzkapital, Mitarbeiterkapazität, strategische Nutzung von Informationstechnologie und bestimmte Führungsstile sind in der Literatur dokumentiert.

Dennoch gibt es erheblichen weiteren Forschungsbedarf, der sich daraus erklären lässt, dass:

  • Innovationen oft als singuläres Ereignis und nicht als Netzwerk komplementärer Entwicklungen sowie als fortlaufender Prozess betrachtet werden
  • Die verschiedenen Stufen des Innovationsprozesses und die zwischen ihnen bestehenden Wechselwirkungen nicht differenziert genug betrachtet werden
  • Der Verlauf des Innovationsprozesses über die Zeit nicht ausreichend untersucht ist
  • Innovationen immer als positiv bewertet werden (Pro-Innovation Bias)


Neuere Studien zeigen, dass der Innovationsprozess durch ein komplexes Wirkungsgeflecht von moderierenden und komplementären Einflussfaktoren geprägt ist. Um dieses Forschungsgebiet zu erschließen und Beiträge zur Weiterentwicklung von Theorie und Praxis zu liefern, wurde das Forschungsprojekt »SENECA« gestartet, das folgende Ziele verfolgt:

  • Analyse der formalen und der informellen Prozesse der Wissensintegration
  • Analyse der sozialen Netzwerke innerhalb eines Unternehmens und in Unternehmensnetzwerken
  • Entwicklung eines Erklärungsmodells der Verknüpfung sozialer Interaktionstopologien, Innovationstätigkeit und Markterfolg
  • Entwicklung eines Instruments zum Management von sozialen Netzwerken und Wissensintegrationsprozessen