Allein über den Atlantik

Die meisten würden nach ihrem MBA-Abschluss entweder mit der Karriere durchstarten oder sich die wohlverdiente Auszeit gönnen – nicht so Nils Bergner.

Erst im Sommer graduierte er an der GGS, gewann den Alumni Award für außergewöhnliche Leistungen und heiratete dann noch seine große Liebe. Und nun setzt er seinen langen gehegten Traum der Atlantiküberquerung – alleine im Segelboot – um. Der leidenschaftliche Segler kaufte im August auf den Azoren das Boot, mit dem demnächst der große Törn ansteht. Die Reparatur und Überführung des Boots auf die Kanaren war im gleichen Monat geschafft. Mit seiner Boström 31 will er jetzt alleine den Atlantik bezwingen.

„Leinen los!“ heißt es dann im Dezember ab La Palma, von wo aus er über die Kapverden in Richtung Karibik zu den kleinen Antillen aufbricht.

Die wichtigste Frage vorab: Warum? Warum jetzt?

Seitdem ich 20 Jahre alt bin, hat mich der Traum einer Einhand-Atlantik Überquerung nicht losgelassen. Da ich mit Anfang 20 mein BA/DHBW Studium absolvierte und ein anschließendes Jobangebot hatte, habe ich mir damals keine Auszeit gegönnt. Zudem fehlte damals auch das nötige Budget. Auf einer Boots-Messe traf ich dann den Autor eines Buches, welcher mich zu der Reise inspirierte. Die Idee selbst dieses Abenteuer zu erleben, lies mich nicht mehr los. Nach nunmehr 16 Jahren ist jetzt ein guter Zeitpunkt meinen Traum zu verwirklichen.

Wer hat Sie dazu inspiriert? Was war der Auslöser für Ihre Entscheidung?

Johannes Erdmann hat mich dazu inspiriert. Der Auslöser es jetzt zu tun ist, dass ich mein MBA Studium hinter mich gebracht habe und aktuell keine weiteren Verpflichtungen habe.

Warum unbedingt das Segeln?

Ich habe schon immer das Wasser geliebt. Als kleines Kind habe jedes Wochenende im Schwimmbad verbracht, war als Teenager aktiver Triathlet mit drei Schwimmtrainings pro Woche und am Wochenende oft bei meinem Patenonkel auf seinem Boot. Mit 16 habe ich dann auch direkt den Sportbootführerschein gemacht. Seither fasziniert mich die motorlose Fortbewegung.

Wie lange wird die Überfahrt auf die kleinen Antillen dauern?

Hoffentlich nicht mehr als 25 Tage. Das ist ein guter Durchschnittswert. Das Boot hat im Februar 2018 die Tour schon einmal mit dem Vorbesitzer überstanden und hat in etwa diese Zeit benötigt.

Wie steht Ihr Arbeitgeber dazu?

Ich konnte ein Mini Sabbatical nehmen. Dazu zahlte ich nun 10 Monate lang einen Teil meines Gehalts in einen Fonds ein. Aus diesem Fonds wird mir nun während der Abwesenheit mein Gehalt weiter ausgezahlt.

Meine Vorgesetzten konnte ich bereits im Dezember 2017 von meiner Idee berichten, sie haben mich toll unterstützt und mich sogar auf das Sabbatical Programm aufmerksam gemacht.

Wie liefen die Vorbereitungen?

Bis zum Juli 2018 hatte ich noch gar kein Boot. Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben doch noch ein Boot zu finden. Aus Mangel an Zeit, war es mir wichtig ein Segelboot zu erwerben, welches zum einen bewiesen hatte, dass es die Tour übersteht. Und zum anderen sollte es schon für die Langfahrt ausgestattet sein (Solar-Paneele, Autopiloten, Ankergeschirr etc.).

Im August hatte ich dann den Besichtigungstermin auf den Azoren mit dem deutschen Verkäufer. Wir haben eine Woche zusammen auf dem Boot verbracht und es für mein Abenteuer vorbereitet. Alleine darüber könnte ich schon ein Buch schreiben.

Rückblickend betrachtet, wie war Ihre erste Fahrt mit der Boström 31 nach La Palma? Was haben Sie sich anders vorgestellt? Was haben Sie daraus gelernt? Und was werden Sie im Dezember anders angehen?

Ich habe mich sehr sicher auf meiner Haere Mai gefühlt. Sie war einfach Solo zu bedienen und sehr gutmütig. Leider habe ich zwei Tage Flaute auf der Überfahrt gehabt und so wurden aus der geplanten Woche dann 10 Tage für die Überfahrt. Auf der Überfahrt habe ich mich zeitweilig auch einsam gefühlt. Gelernt habe ich insbesondere, wie wichtig mir die Menschen sind, die mir Nahe stehen.

Für Dezember habe ich mir daher ein Hochzeitsfoto ausgedruckt, auf dem Familie und Freunde versammelt sind. So kann ich immer mal einen Blick auf Sie werfen. Außerdem habe ich den Zeitraum zwischen September und Dezember genutzt um zum Boot zu fliegen und ein paar technische Veränderungen vorzunehmen.

Was ist bzw. wird für Sie die größte Herausforderung sein?

Definitiv die Einsamkeit.

Wie gehen Sie mit der Einsamkeit um?

Ich denke, dass Einsamkeit ein Gefühl ist und man sich dessen immer bewusst sein sollte. Um das Gefühl abzuschwächen werde ich über Satellitentelefon regelmäßig mit meiner Frau sprechen und mir immer klar machen, dass ich gerade meinen Traum verwirkliche. Und ich denke, dass die Erkenntnis hilft: „Wo Licht ist, ist auch Schatten.“ Einen Traum zu verwirklichen und dabei kleine Nachteile in Kauf zu nehmen ist für mich OK.

Wie stehen Ihre Freunde und Familie zu Ihrem Projekt?

Meine Familie macht sich natürlich Sorgen. Dennoch unterstützen Sie mich und waren im November mit auf dem Boot um mir bei den Vorbereitungen zu helfen. Ich hoffe, dass sie das Segelboot, deren Ausrüstung und meine Herangehensweise an die Reise beruhigt. 

Aber wirklich verstehen tut nur meine Frau, warum ich diese Abenteuer unbedingt erleben möchte. Meine Freunde finden es toll, dass ich meinen Traum verwirkliche und kommen mich dann auch in der Karibik besuchen.

Worauf könnten Sie niemals, auch nicht auf hoher See, verzichten?

Erstens: Trinkwasser. Genau deshalb habe ich einen handbetriebenen, sündhaft teuren, Entsalzer an Board.

Zweitens: Ich weiß von mir, dass ich nicht viel brauche um Glücklich zu sein. Doch der Kontakt zu meiner besseren Hälfte, meiner Frau, ist mir sehr wichtig. Daher habe ich auch ein Satellitentelefon an Board.


Die GGS war als Sponsoring Partner dabei und hat Nils Bergners bei seiner Atlantiküberquerung begleitet.